Der Fliegerhorst Oldenburg: Zwischen juristischen Drohgebärden und vergrabenen Altlasten
13.08.2026Die Entwicklung des ehemaligen Fliegerhorsts in Oldenburg sollte eigentlich das Vorzeigeprojekt für modernes, zukunftsorientiertes Wohnen werden. Stattdessen entwickelt sich das Areal zu einem Mahnmal für behördliche Intransparenz, politisches Wegducken und konzeptlose Fehlplanung.
Aktueller Höhepunkt des Desasters: Ein Investor droht der parteilosen Oberbürgermeisterkandidatin Byanca Küßner mit einer Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede. Was war passiert? Byanca Küßner hatte in einem Instagram-Video auf akute Missstände bei der Sanierung des Stabsgebäudes aufmerksam gemacht. .Sie kritisierte den ungeschützten Umgang mit asbesthaltigem Abbruchmaterial und fehlende Absperrungen, die eine massive Staubbelastung und Gesundheitsgefahren für eine nahegelegene Kita bedeuten könnten. Übrigens hatte mich unabhängig davon, bereits eine andere Person angeschrieben und auf diese Mißstände hingewiesen.
Dass ein Investor sofort mit juristischen Schritten auf das Video von Frau Küßner kontert, statt transparente Aufklärung zu leisten, zeigt ein bezeichnendes Muster auf diesem Gelände: Kritik soll im Keim erstickt werden.
Denn das Asbest-Problem am Stabsgebäude ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit langem schwelen massive Vorwürfe um den ehemaligen Schießstand, wo mutmaßlicher Sondermüll – asbest- und teerverseuchtes Material – im Boden vergraben sein sollen. Dass die Staatsanwaltschaft das Umweltverfahren im Sommer 2026 eingestellt hat, beruhigt keineswegs, sondern hinterlässt im Gegenteil einen extrem bitteren Beigeschmack. Die Einstellung basierte maßgeblich auf der Beurteilung einer einzelnen Bearbeiterin des niedersächsischen Umweltministeriums. Diese hat fast rein nach Aktenlage und vom Schreibtisch aus befunden, dass eine illegale Entsorgung nicht vorliegen könne – eine Ferndiagnose, die an politischer Ignoranz kaum zu überbieten ist. Der zuständige Umweltminister Christian Meyer (Grüne) wurde zu diesem skandalösen Vorgang mehrfach angeschrieben, doch anstatt für Aufklärung zu sorgen, duckt sich der Minister bis heute weg und schweigt.
Dieses behördliche Versagen spiegelt sich auch in der kommunalen Politik wider. Wer sich zu dem gesamten Chaos auf dem Fliegerhorst ebenfalls komplett bedeckt hält, ist SPD-Oberbürgermeisterkandidat Ulf Prange. Als Parteigenosse des amtierenden Oberbürgermeisters Jürgen Krogmann stützt Prange den aktuellen Kurs und schweigt das Problem beharrlich tot.
Dabei drängt die Zeit, denn die gesamte Flächennutzung steuert auf ein Desaster zu. Angepriesen wurde das Areal einst als familienfreundlicher, verkehrsarmer Vorzeigestadtteil. Die Realität sieht völlig anders aus: Mitten in der Planung befindet sich ein neues Post- und Logistikzentrum. Dieses soll künftig direkt neben der geplanten, zukünftigen Grundschule entstehen – und gerade einmal 100 Meter von einem bereits bestehenden Kindergarten entfernt. Dass die Oldenburger SPD dieses Projekt unterstützt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ein Logistikzentrum, das massiven Schwerlastverkehr, Lärm und für Kinder gefährlichen LKW und PKW- Verkehr direkt vor die Füße der Schwächsten bringt, konterkariert jeden Gedanken an ein modernes Wohnquartier.
Fazit: Mit einer durchdachten und verantwortungsvollen Planung eines neuen Stadtteils hat das, was auf dem Fliegerhorst passiert, schon lange nichts mehr zu tun. Wenn berechtigte Sorgen um Umwelt und Gesundheit mit Klagedrohungen beantwortet werden, Minister sich wegducken und die SPD ein Logistikzentrum neben eine Grundschule baut, läuft in der Oldenburger Stadtentwicklung etwas fundamental falsch. Es stellt sich im Wahlkampf die dringende Frage: Wie gedenken sich die anderen acht Kandidaten im Falle ihrer Wahl zu verhalten? Wird das Chaos weiter ausgesessen, oder folgt endlich die nötige Aufklärung? Oldenburg hat Antworten verdient.